Refluxkrankheit beim Kleinkind: Prävention
Die gastroösophageale Refluxkrankheit bei Kleinkindern sollte nicht unterschätzt werden. Der regelmäßige Rückfluss (Reflux) der Magensäure in die Speiseröhre kann den Kindern unter anderem Sodbrennen, starke Schmerzen, Schlafprobleme und Schluckbeschwerden bereiten. Auf Dauer führen diese belastenden Beschwerden auch zu Entwicklungs- und Gedeihstörungen. Viele Präventionsmaßnahmen können diesen negativen Symptomen erfolgreich vorbeugen und die Refluxkrankheit unter Kontrolle bringen. Hierbei hat sich eine Ernährungs- und Gewohnheitsumstellung beim Kleinkind sowie bei den Eltern bewährt. Mit den nachfolgenden präventiven Maßnahmen und Tipps können die Eltern die Rahmenbedingungen für ein beschwerdefreies Leben für das Kind schaffen [1].
Am häufigsten wird ein Rückfluss von Mageninhalt bei Kleinkindern durch eine Schwäche des Schließmuskels zwischen Speiseröhre und Magen hervorgerufen. Denn im Kindesalter kann der Schließmuskel noch nicht die notwendige Spannung aufbauen, um den Magen vollständig abzuschließen. Zudem ist der Winkel, in dem die Speiseröhre durch das Zwerchfell tritt, beim Kind noch sehr stumpf. Diese anatomischen Tatsachen können weder verhindert noch behandelt werden. Um einem Säurerückfluss dennoch vorzubeugen, sollten daher zunächst die äußeren Einflüsse optimiert werden.
Dazu sollte darauf geachtet werden, dass das Kind sich bei den Mahlzeiten nicht überisst. Wie auch bei Erwachsenen setzt auch bei Kindern das Sättigungsgefühl erst etwa zwanzig Minuten nach Beginn der Nahrungsaufnahme ein. Es sollte eingerichtet werden, dass das Kind in diesen zwanzig Minuten eine angemessene und ausgewogene Portion zu sich nimmt. Außerdem sollten keine stark gewürzten Speisen gereicht werden, da der kindliche Verdauungstrakt damit oftmals noch überfordert ist. Und auch der Verzehr von Süßigkeiten sollte auf ein geringes Maß beschränkt werden. Dazu gehören auch Getränke mit hoher Osmolarität wie Eistee und kohlensäurehaltige Getränke wie Limonade[1].
Zuletzt sollte bei übergewichtigen Kindern eine Gewichtsnormalisierung angestrebt werden. Wenn notwendig, kann diese unter der Aufsicht eines Arztes oder Ernährungsberaters erfolgen [3]. Es ist wichtig, bereits im Kindesalter gegen Übergewicht vorzugehen, da Kleinkinder durch ihr Wachstum leicht an Gewicht verlieren und ihr ganzes Leben davon profitieren.
Bei der hypertrophen Pylorusstenose kommt es aus bisher unklaren Ursachen zu einer Verdickung des Magenausgangs. Dadurch gelangt zunehmend weniger Nahrung aus dem Magen in den Darm und es kommt zu explosionsartigem Erbrechen nach den Mahlzeiten. Die gestaute Nahrung erhöht den Druck im Magen und es entsteht ein gastroösophageraler Reflux [2].
Da die Ursachen für diese Erkrankung bisher nicht bekannt sind, kann zur Primärprävention der Stenose wenig getan werden. Doch, um den Säurerückfluss zu minimieren, können einige unterstützende Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehört beispielsweise, den Kindern möglichst dickflüssige Nahrung zuzubereiten. Denn, wenn die Breikost mit natürlichen Bindemitteln wie Johannisbrotkernmehl eingedickt wird, kann sie nicht mehr so leicht in die Speiseröhre fließen [1]. Ist das betroffene Kind älter als ein Jahr, kann auch ein Mittagsschlaf in erhöhter Bauchlage versucht werden. Eine Lagerung mit um etwa 30 Grad erhöhtem Oberkörper und die Bauchlage können den Reflux vermindern [4]. Kinder unter 12 Monaten sollten noch nicht in Bauchlage schlafen, da dies als Risikofaktor für den plötzlichen Kindstod gilt.
Die bakterielle Gastritis wird am häufigsten durch das Bakterium Helicobacter pylori (H. p.) hervorgerufen. Dieses wird oft bereits in den ersten Lebenswochen von Angehörigen auf das Baby übertragen. Ein Großteil der Bevölkerung ist mit H. p. infiziert, aber bei weitem nicht alle Betroffenen haben Beschwerden. Deswegen ist es schwer, ein Kind vor dieser Infektionsquelle zu schützen. Sollte jedoch bei einem Familienmitglied eine akute H. p.-Infektion festgestellt werden, so sollte der enge Kontakt mit dem Kleinkind zunächst zu reduziert werden. Die konsequente Therapie dieser Kontaktperson stellt dann natürlich eine Art der Prävention für das Kind dar. Eine medikamentöse Therapie der H. p.-Infektion mit Antibiotika und Säurehemmern findet niemals präventiv statt, sondern nur bei einem Infektionsnachweis [2].
Präventionsmöglichkeiten bei den sonstigen Ursachen
Treten die Beschwerden bevorzugt nach dem Genuss bestimmter Lebensmittel auf, kann es sich um eine Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit handeln. Wenn eine Unverträglichkeit von Kuhmilch diagnostiziert wird, muss die Ernährung auf spezielle Hydrolysatnahrung und Aminosäuremilch umgestellt werden [2].
Wenn Herpesviren oder Pilze der Auslöser für den Reflux sind, sollte zur Prävention das Immunsystem des Kindes gestärkt werden. Denn durch eine intakte Immunabwehr können diese Infektionen häufig verhindert werden.
Quellenangaben
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R. Kerbl, R. Kurz et al.: Checkliste Pädiatrie. Georg Thieme Verlag, 2015, S. 423–425.
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L. Gortner, S. Meyer, F. C. Sitzmann: Duale Reihe Pädiatrie. Georg Thieme Verlag, 2011, S.261–264, S. 535.
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H. Koop, K. H. Fuchs et al: AWMF–Leitlinie zur Gastroösophagealen Refluxkrankheit, Stand 05/ 2014, http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-013l_S2k_Refluxkrankheit_2014-05.pdf, 20.06.2016
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Veröffentlicht durch: | DeGiN-Redaktion |
Erstellt am: | 23.05.2016 |
Zuletzt aktualisiert am: | 27.06.2016 |
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